Forschung

Neues Forschungsprojekt stärkt den Schutz in der Pflege

Gewalt und Vernachlässigung in der häuslichen Pflege frühzeitig erkennen: Neues Forschungsprojekt „GeViP“ gestartet

Das neu gestartete Verbundprojekt „GeViP“ entwickelt bis Mitte 2028 wissenschaftlich fundierte und durch settingspezifische Gruppendelphis validierte Handlungsempfehlungen, um Gewalt und Vernachlässigung in der häuslichen Pflege frühzeitig zu erkennen. Hierzu bündeln fünf Partner aus Medizin, Pflegewissenschaft, Alternswissenschaft und Sozialer Arbeit ihre Expertise, um praxisnahe Maßnahmen für die Pflegebegutachtung und Pflegeberatung zu erarbeiten.

Stuttgart / Freiburg / Mannheim / Frankfurt, 07. Juli 2026 - Ein multiprofessionelles Forschungsnetzwerk hat sich zusammengeschlossen, um das Thema der Gewalt und Vernachlässigung in der häuslichen Pflege zu untersuchen. Zum 1. Juli 2026 ist das Verbundprojekt „GeViP – Gewalt und Vernachlässigung in der informellen häuslichen Pflege“ gestartet. Ziel des bis Mitte 2028 laufenden Vorhabens ist es, wissenschaftlich fundierte und praxistaugliche Handlungsempfehlungen für die Pflegebegutachtung und Pflegeberatung zu entwickeln.

Das Phänomen betrifft beide Richtungen: Gewalt und Vernachlässigung durch pflegende Zugehörige gegenüber Pflegebedürftigen ebenso wie Aggressionen von pflegebedürftigen Personen gegenüber ihren Angehörigen. Um wirksame Interventions- und Erfassungsverfahren zu etablieren, bündelt das Projekt die Expertise von fünf Institutionen aus Medizin, Pflegewissenschaft, Alternswissenschaft und Sozialer Arbeit.

  • Die Partner im Netzwerk Durch die Kooperation der Partner wird sichergestellt, dass sowohl medizinisch-klinische Aspekte als auch pflegewissenschaftliche und sozialraumbezogene Dynamiken Berücksichtigung finden:Robert Bosch Gesellschaft für Medizinische Forschung mbH (Verbundkoordination): Vertreten durch Projektleiter Dr. Klaus Pfeiffer. (www.bosch-stiftung.de)
  • Katholische Hochschule Freiburg – Pflegewissenschaft: Vertreten durch Prof. Dr. Nadine Konopik. (www.kh-freiburg.de)
  • Technische Hochschule Mannheim – Fakultät für Sozialwesen: Vertreten durch Prof. Dr. Martina Schäufele (www.hs-mannheim.de)
  • Goethe-Universität Frankfurt am Main – Interdisziplinäre Alternswissenschaft: Vertreten durch Prof. Dr. Frank Oswald. Die Frankfurter Alternswissenschaft untersucht das Wohnen und die Lebenswelten älterer Menschen. (www.uni-frankfurt.de)
  • Frankfurt University of Applied Sciences – Soziale Arbeit & Gesundheit: Vertreten durch Prof. Dr. Anna Schwedler-Allmendinger. (www.frankfurt-university.de)

Methodischer Ansatz und wissenschaftlicher Fahrplan Das Projekt ist methodisch dreistufig aufgebaut. Im ersten Projektjahr widmet sich das Studienteam zwei systematischen Literaturreviews, um internationale Verfahren zur Erfassung von Gewalt sowie Interventionsansätze auszuwerten. Parallel dazu erfassen die Forschenden durch Onlinebefragungen und qualitative Interviews die Perspektiven von Akteuren aus der Praxis. Hierbei stehen insbesondere die gesetzlichen Settings der Pflegebegutachtung durch die Medizinischen Dienste (§§ 18a, 18b SGB XI), die Beratungsbesuche (§ 37 Abs. 3 SGB XI) sowie die Pflegeberatung (§§ 7a, 7c SGB XI) im Fokus.

Auf Basis dieser Daten entwickelt das Studienteam Maßnahmenvorschläge für die Praxis – auch mit Blick auf die ab Januar 2028 geplante Einführung einer neuen Pflegebegleitung im Rahmen des Pflegeneuordnungsgesetzes.

Um die Tragfähigkeit und Umsetzbarkeit dieser Vorschläge wissenschaftlich abzusichern und unbegründeten Spekulationen vorzubeugen, werden die Entwürfe methodisch in settingspezifischen Gruppendelphis durch Expertinnen und Experten evaluiert. Dieses strukturierte, mehrstufige Befragungsverfahren garantiert eine fachlich fundierte Validierung direkt in den jeweiligen Praxisbereichen. Ein anschließender Vernetzungsworkshop dient dazu, Schnittstellen zu optimieren, bevor die finalen Handlungsempfehlungen für die Praxis veröffentlicht werden. Ziel des Verbundprojekts ist es, durch diese klaren Leitlinien dazu beizutragen, Überlastungen frühzeitig aufzufangen und die personelle Unterstützung im häuslichen Umfeld strukturell zu sichern.

Ansprechperson

Nadine Konopik, Professorin an der KH Freiburg

Prof.in Dr. Nadine Konopik

Studiengangsleitung B.A. Angewandte Pflegewissenschaft

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