Personen

Prof.in Dr. Bianca Baßler startet an der KH Freiburg

Bianca Baßler, Professorin an der KH Freiburg

Ein genauer Blick auf die Wirklichkeit

Es ist ein herzliches Willkommen an der Katholischen Hochschule Freiburg: Mit der Berufung von Prof.in Dr. Bianca Baßler gewinnt die Hochschule eine Wissenschaftlerin für das Feld der Sozialen Arbeit, deren Herz für die Verknüpfung von Gesellschaft, Ungleichheit und konkreter Forschungspraxis schlägt. Im Kern ihrer Arbeit steht dabei eine grundlegende Frage: Wie blicken wir eigentlich auf die soziale Realität – und wie können wir sie besser verstehen, ohne sie vorschnell zu bewerten?

Die Entdeckung des genauen Hinsehens

Der Weg von Bianca Baßler in die qualitative Sozialforschung begann schon während ihres eigenen Studiums. Insbesondere die Arbeit an ihrer Abschlussarbeit wurde zu einem Schlüsselmoment. Es war die Faszination darüber, wie durch die sorgfältige Analyse von Erzählungen, Erfahrungen und sozialen Praktiken völlig neue Perspektiven auf die gesellschaftliche Wirklichkeit entstehen.

Bis heute treibt sie diese Möglichkeit an, den Blick auf die Welt zu erweitern und unterschiedliche Sichtweisen sichtbar zu machen. Dabei beobachtet sie aufmerksam, wie sich die Wissenschaft selbst verändert hat:

In den vergangenen Jahrzehnten rückte ein Verständnis von Wissenschaft und Forschung weiter nach vorne, dass nicht Objektivität, sondern Reflexivität als Gütekriterium von Forschung ernst nimmt. Das bedeutet konkret: Gute Forschung tut nicht mehr so, als wäre sie vollkommen neutral, sondern hinterfragt kritisch unter anderem, welchen Einfluss die eigene Perspektive der Forschenden auf die Ergebnisse hat – ein Richtungswechsel, den auch Baßler in ihren Überlegungen reflektiert.

Perspektivität, eigene Erfahrungen, Emotionen und die Reflexion der eigenen Position rückten heute mehr in die Aufmerksamkeit von Forschung. Für die Soziale Arbeit sieht sie darin eine enorme Chance. Die rekonstruktive Sozialforschung erlaubt es, Menschen in ihrer gesamten Lebenslage zu betrachten – verwoben mit sozialen Beziehungen, politischen Rahmenbedingungen und gesellschaftlichen Normen.

Forschung als Haltung im Hörsaal

Wer mit Prof. Dr. Baßler über die Lehre spricht, merkt schnell, dass es ihr um mehr als das bloße Auswendiglernen von Werkzeugen geht. Methoden und Forschung sind für sie kein starres Regelwerk, sondern eine Lebenseinstellung. Sie möchte Studierende dazu ermutigen, genau hinzuschauen und kritische Fragen zu stellen.

In ihren Veranstaltungen an der KH Freiburg geht es ihr deshalb vor allem darum, Räume für Reflexion zu eröffnen. Studierende sollen lernen, komplexe Fälle und gesellschaftliche Herausforderungen differenziert zu analysieren und – was vielleicht am wichtigsten ist – die eigenen Vorannahmen zu hinterfragen. Erst auf dieser soliden Basis von Analyse und Selbstreflexion, so Baßlers Überzeugung, entsteht professionelles und verantwortungsvolles Handeln in der Praxis.

Im Spannungsfeld von Macht und Ungleichheit

Für ihre Zeit an der KH Freiburg hat sich die neu berufene Professorin ein klares Thema auf die Agenda gesetzt: Sie möchte das komplexe Verhältnis von Sozialer Arbeit, Macht und Ungleichheit genauer beleuchten und in Bezug auf Konzepte und Methoden weiterentwickeln.

Soziale Arbeit, so betont sie, agiert niemals im luftleeren Raum. Sie wird genau dort tätig, wo Menschen von Benachteiligungen betroffen sind, und bewegt sich damit automatisch in bestehenden Machtverhältnissen. Daraus ergibt sich ein tiefes Spannungsverhältnis: Soziale Arbeit kann Ungleichheiten abbauen und Teilhabe fördern – sie kann sie aber unbeabsichtigt auch reproduzieren.

Diese Widersprüche und Ambivalenzen vorschnell aufzulösen, würde bedeuten, sie nicht ernst zu nehmen. Stattdessen möchte sie sie theoretisch und praktisch ergründen um dann mit ihnen umgehen zu können. Ihr Ziel an der KH Freiburg ist es, diese Perspektive gemeinsam im Kollegium, in der Forschung und mit Praxispartnern auszubauen. Es geht um die Frage, wie Macht und soziale Teilhabe auf individueller, institutioneller und gesellschaftlicher Ebene wirksam werden – und wie professionell damit umgegangen werden kann.

Die KH Freiburg freut sich auf den fachlichen Austausch, die gemeinsamen Projekte und wünscht Prof. Dr. Bianc Baßler einen erfolgreichen Start und ein gutes Ankommen in ihrer neuen Rolle.

Zur News-Übersicht