Weiter­bildung

Scham als Hüterin der Würde: Stiftungsfachtag 2026

Rund 130 Fachkräfte diskutierten über die Bedeutung von Scham, Würde und Beschämung in sozialen Berufen und institutionellen Strukturen.

Rund 130 Teilnehmende füllten am 08. Mai 2026 die Aula der Katholischen Hochschule Freiburg bis auf den letzten Platz. Der gemeinsame Stiftungsfachtag der Katholischen Hochschule Freiburg, der Evangelischen Hochschule Freiburg, der Stadt Freiburg und der Waisenhausstiftung Freiburg widmete sich einem Thema, das im Alltag oft unsichtbar bleibt und zugleich jeden Menschen betrifft: der Scham.

Schon in der Begrüßung wurde der Spannungsbogen des Tages deutlich. Prof.in Dr. Bohlen hob die Bedeutung eines würdevollen Handelns und Kommunizierens im beruflichen Alltag hervor. Joachim Spross, Direktor der Stiftungsverwaltung Freiburg, führte in das Thema ein und machte Scham als häufig tabuisiertes, aber grundlegendes menschliches Gefühl sichtbar.

Maßgeblich organisiert wurde der Stiftungsfachtag von Prof.in Dr. Ursula Immenschuh, die seit vielen Jahren eng mit dem Thema Scham und Würde befasst ist und den Diskurs gemeinsam mit Dr. Stephan Marks seit Langem begleitet. In ihrer Arbeit setzt sie sich intensiv mit den emotionalen und strukturellen Bedingungen professionellen Handelns in sozialen Berufen auseinander.

Scham zwischen Verletzlichkeit und Verantwortung

Am Anfang des Tages stand der Beitrag von Dr. Stephan Marks. Er zeichnete Scham als zentrale emotionale Größe im Spannungsfeld von Würde und Beschämung nach und zeigte, wie tief diese Erfahrungen in soziale Beziehungen, Institutionen und gesellschaftliche Strukturen hineinwirken. Dabei wurde Scham als „Hüterin der Würde“ greifbar, nicht als Randphänomen, sondern als grundlegende Dimension menschlichen Miteinanders.

Marks machte in seinem Vortrag deutlich: „Beschämung verletzt die Würde eines Menschen tief und kann langfristige seelische Folgen haben.“ Zugleich betonte er die besondere Verantwortung in professionellen Kontexten: „In helfenden Berufen ist der Umgang mit Scham entscheidend für einen würdevollen Umgang mit Menschen.“

In den anschließenden Beiträgen und Diskussionen wurde deutlich, wie schnell Beschämung im Alltag entstehen kann: in Jugendämtern, in der Pflege, in der Schule oder in der Arbeit mit Familien. Immer wieder ging es um die Frage, wie Sprache, Machtverhältnisse und institutionelle Abläufe dazu beitragen können, dass Menschen sich verletzt oder ausgeschlossen fühlen. Gleichzeitig wurde Scham auch als mögliche Kraft zur Veränderung beschrieben, als Signal, das auf Grenzverletzungen und Würdebedürfnisse hinweist.

Christiane Lüschen-Heimer weitete den Blick in ihrem Vortrag auf Würde in Organisationen. „Jede Organisation hat ihre eigene Schamgeschichte und sei es nur die, dass die Beschäftigten mit der Scham ihrer Klientinnen und Klienten umgehen müssen“, sagt sie. Sie zeigt auf, welche Faktoren in einer Organisation auf die Würde hin entwickelt werden können. Strukturen, Kultur, Sprache sind nur einige davon. „Egal, wo Sie anfangen, Würde wird sich durch die Organisation hindurch ausbreiten“, sagt sie am Ende des Vortrags.

Praxisnaher Austausch zu Würde in sozialen Arbeitsfeldern

In sechs parallel angebotenen Workshops wurde das Tagungsthema praxisnah vertieft. Fachkräfte aus unterschiedlichen Bereichen arbeiteten an konkreten Praxissituationen im Kontext von Jugendhilfe und Familienarbeit, Erziehungsberatung, Migration, Krippe und Kita sowie Pflege. Beteiligt waren unter anderem das Amt für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Freiburg, die Beratungsstelle der Stadt Freiburg, die Waisenhausstiftung Freiburg, das Amt für Migration und Integration, die Evangelische Hochschule Freiburg sowie das Diakonische Bildungszentrum für Gesundheit und Pflege und die Katholische Hochschule Freiburg. Die Workshops boten Raum für Erfahrungsaustausch, Fallarbeit und fachliche Reflexion.

Am Ende des Tages blieb ein dicht gefüllter Raum, in dem die Aufmerksamkeit der Teilnehmenden spürbar nachklang. Der lange Applaus in der voll besetzten Aula machte deutlich, welche hohe Relevanz das Thema Scham für die berufliche Praxis und den fachlichen Diskurs hat.

Ansprechperson

Ursula Immenschuh, Professorin an der KH Freiburg

Prof.in Dr. Ursula Immenschuh

Studiengangsleitung B.A. Berufspädagogik im Gesundheitswesen

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