Alumni­Spotlight

Robert Lein - Alumnus der KH Freiburg

Robert Lein, Alumnus der KH Freiburg

„Auf einmal machten alle Bausteine Sinn“

Es gibt diese Lebensläufe, die nicht geradlinig verlaufen – und gerade deshalb eine besondere Wucht entwickeln. Der von Robert Lein ist so einer. Wenn er heute als stellvertretender Pflegedienstleiter und Pflegeexperte am Zentrum für seelische Gesundheit in Lörrach arbeitet, wirkt vieles folgerichtig. Doch der Weg dorthin war alles andere als selbstverständlich.
„Ich muss hier etwas weiter ausholen“, sagt Lein – und beginnt seine Geschichte nicht mit einem Studium, sondern mit einem Freiwilligen Sozialen Jahr nach dem Realschulabschluss. Es ist das Jahr, in dem sich vieles entscheidet. „Ich habe mich durch die praktischen Erfahrungen im sozialen Bereich, aber auch im Arbeitsleben enorm weiterentwickelt.“ Was folgt, ist eine klassische Pflegeausbildung am Universitätsklinikum Freiburg – und ein radikaler Schritt: Mit 18 Jahren zieht er 700 Kilometer weit weg von zu Hause. „Ich musste ziemlich schnell im kalten Wasser schwimmen lernen.“

Bildung als Wendepunkt

Doch Lein bleibt nicht stehen. Nach ersten Berufsjahren holt er das Abitur nach – auf dem zweiten Bildungsweg, am Kolping-Kolleg in Freiburg. Rückblickend spricht er von einem Wendepunkt: „Durch Bildung – hier speziell Erwachsenenbildung – sind geistige Sprünge möglich, von denen man vorher nichts ahnt.“ Es ist auch eine Zeit, die ohne Förderung durch Schüler-BAFöG und Stipendium der Hans-Böckler-Stiftung kaum möglich gewesen wäre. Dass es funktioniert, prägt ihn nachhaltig.

Der Schritt in die Psychiatrie

Der Weg führt ihn schließlich in die Psychiatrie, zunächst nach Emmendingen, später in die Schweiz an die Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel. Dort übernimmt er erstmals fachliche Verantwortung – und steht vor einer Entscheidung. Weiterbildung oder Studium? Lein entscheidet sich bewusst für den akademischen Weg. „Für mich war in dem ersten Moment des Karrierewegs sofort klar, dass ich an einer Hochschule studieren und wissenschaftliches Arbeiten und akademische Gepflogenheiten lernen möchte.“
Die Wahl fällt auf die Katholische Hochschule Freiburg und den Studiengang Angewandte Pflegewissenschaft. Rückblickend erscheint vieles wie ein Puzzle, das sich plötzlich zusammenfügt: „Auf einmal machten alle bisherigen Bausteine Sinn.“

Vom Studium in die Führung

Dass er später auch noch den Master in Management und Führungskompetenz anschließt, wirkt fast konsequent. Inzwischen hat er eine Führungsrolle übernommen, trägt Verantwortung für Teams, Prozesse und Entwicklungen. Das Studium wird zur theoretischen Folie für die Praxis – und umgekehrt. „Im Masterstudium gab es dann definitiv nochmal einen gewaltigen Schub“, sagt er. „Es entstand bei mir der Drang, noch mehr Verantwortung zu übernehmen und eine aktivere Rolle im System einzunehmen.“
Diese Verbindung von Theorie und Praxis zieht sich durch seine gesamte Laufbahn. Besonders prägend sei für ihn die evidenzbasierte Pflege gewesen – und vor allem die Fähigkeit, sie tatsächlich in den Alltag zu übertragen. „Implementierungskompetenz“ nennt er das. Ein sperriges Wort für etwas sehr Konkretes: Veränderungen anstoßen, die wirken. Sichtbar, nachhaltig. „Dadurch entstanden sichtbare Erfolge im Feld.“

Blick nach vorn: Psychiatrie im Wandel

Heute steht Lein vor einer neuen Herausforderung: In Lörrach entsteht eine Klinik, die die psychiatrische Versorgung der Region neu denken will. Es geht nicht mehr nur um Pflege oder Management, sondern um das große Ganze. „Da geht es um 360-Grad-Blickwinkel“, sagt er. Dass er sich dieser Aufgabe gewachsen fühlt, führt er auch auf sein Studium zurück: „Ich hätte es mir ohne diese Inhalte wahrscheinlich gar nicht zugetraut.“
Dabei hat sich nicht nur seine berufliche Perspektive verändert, sondern auch er selbst. Lein beschreibt sich als ruhiger, überlegter, mit „längerem Atem, auch wenn das Wetter mal stürmisch ist“. Führung bedeute für ihn vor allem Reflexion – und die Fähigkeit, sich als Teil eines größeren Systems zu begreifen. „Wichtig ist es, nachhaltige Strategien zu entwickeln und sich immer als Rädchen in einem größeren System zu betrachten.“
Sein Blick richtet sich längst über den eigenen Arbeitsplatz hinaus. Die Psychiatrie, davon ist er überzeugt, steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Er spricht von integrierter Versorgung, von neuen Therapieansätzen, von einem Kulturwandel hin zu einer „Recovery-orientierten Psychiatrie“. Und er wird deutlich: „Unsere Patient*innen haben das Anrecht darauf, nicht unnötig lang auf eine humane, offene, entstigmatisierte und fachlich exzellente Psychiatrie zu warten.“
Dass die neue Einrichtung in Lörrach bewusst nicht mehr „Psychiatrie“, sondern „Zentrum für seelische Gesundheit“ heißt, ist für ihn mehr als ein symbolischer Akt. „Wie cool und wie fortschrittlich ist das denn?“, sagt er – und man hört in diesem Satz den Enthusiasmus, der ihn antreibt.

Haltung, die bleibt

Soziale Verantwortung ist für Lein dabei kein abstrakter Begriff, sondern tief verankert. „Ich spüre sie eigentlich schon, seit ich denken kann.“ Im Studium und im Beruf bedeute das vor allem eines: das Kollektiv im Blick zu behalten. „Denn nur wenn wir alle mitnehmen, kommen wir alle ans Ziel.“
Und vielleicht ist es genau diese Haltung, die sich auch in seinen Erinnerungen an die Studienzeit zeigt. Es sind nicht nur die Inhalte, die bleiben, sondern die Begegnungen: Gespräche, Diskussionen, gemeinsame Abende. Besonders prägend: eine Reise nach Armenien mit einem Kommilitonen. „Die Begegnungen dort … das kann man mit Worten nicht beschreiben“, sagt er. „Das war das nachhaltigste und unvergesslichste, was ich mit der KH verbinde.“
Was er heutigen Studierenden mitgeben würde, klingt fast schlicht – und ist doch ernst gemeint: „Genießt das Privileg, studieren zu dürfen.“ Und dann: Austausch suchen, über den Tellerrand schauen, Verantwortung übernehmen. Nicht zuletzt aber auch: „Achtet dabei auf eure seelische Gesundheit.“
Ein Satz, der in seinem Beruf mehr ist als ein gut gemeinter Rat. Sondern eine Haltung.

Alumni Spotlight

Name: Robert Lein
Studiengang: B.A. Angewandte Pflegewissenschaft
Abschlussjahr: 2022
Aktuell immatrikuliert: M.A. Management und Führungskompetenz (seit 2023)
Derzeitige Position: Stv. Pflegedienstleiter & Pflegeexperte Zentrum für seelische Gesundheit (ZsG) Lörrach

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