Interview mit Prof.in Dr. Wiebke Göhner, Leiterin des Instituts für Wissenschaftliche Weiterbildung (IWW) an der KH Freiburg
Fachkräftemangel, Digitalisierung, demografischer Wandel – die Anforderungen an Beschäftigte verändern sich rasant. Weiterbildung gilt als Schlüssel, um mit diesem Wandel Schritt zu halten. Doch die aktuelle Bertelsmann-Studie „Was Beschäftigte von Weiterbildung abhält“ zeigt, dass viele Menschen Weiterbildung zwar als wichtig erachten, sie aber dennoch nicht wahrnehmen. Hauptgründe sind Zeitmangel, hohe Kosten, fehlende Unterstützung durch Arbeitgeber sowie Unsicherheit über den konkreten Nutzen.
Die Studie macht deutlich: Nicht mangelnde Motivation, sondern strukturelle Hürden verhindern die Teilnahme an Weiterbildungen. Umso wichtiger sind Angebote, die flexibel und leicht zugänglich gestaltet sind. Mit genau diesen Fragen beschäftigt sich auch das Institut für Wissenschaftliche Weiterbildung (IWW) der Katholischen Hochschule Freiburg.
Wie solche Lösungen aussehen können und warum lebenslanges Lernen heute unverzichtbar ist, darüber sprechen wir mit Wiebke Göhner, Professorin für Gesundheitspsychologie und Leiterin des Instituts für Wissenschaftliche Weiterbildung (IWW) an der Katholischen Hochschule Freiburg.
Frau Göhner, warum ist Weiterbildung heute ein so zentrales Thema?
Weiterbildung ist das Rückgrat einer anpassungsfähigen Gesellschaft. Sie ermöglicht berufliche Entwicklung, persönliche Entfaltung und gesellschaftliche Flexibilität. In einer von Unsicherheit und Wandel geprägten Welt ist kontinuierliches Lernen unerlässlich, um soziale, demografische und technologische Veränderungen zu bewältigen.
Was hält Menschen davon ab, an Weiterbildungen teilzunehmen?
Die Bertelsmann-Studie bestätigt, was wir auch in der Praxis sehen: Weiterbildung scheitert selten am Interesse, sondern meist an den Rahmenbedingungen. Deshalb ist es umso wichtiger, Weiterbildungen so zu gestalten, dass sie praxisnah, flexibel und bezahlbar sind – also in den Alltag von Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebenssituationen passen.
Wie wirkt sich das auf individuelle Bildungswege aus?
Berufliche Laufbahnen sind heute keine linearen Wege mehr. Viele Menschen kehren für eine Weiterbildung zu uns an die Hochschule zurück – oder kommen überhaupt zum ersten Mal für eine Weiterbildung an unsere Hochschule. Es gibt zunehmend Quereinsteiger und Quereinsteigerinnen, die auch ohne Hochschulzugang bei uns Weiterbildungskurse belegen.
Welche Rolle spielt das Institut für Wissenschaftliche Weiterbildung (IWW) dabei?
Am IWW gestalten wir unsere Weiterbildungen so, dass sie mit unterschiedlichen Lebenslagen vereinbar sind. Wir setzen auf berufsbegleitende und praxisorientierte Formate und arbeiten eng mit Partnern und Partnerinnen aus dem Gesundheits- und Sozialwesen zusammen. Unsere Lehrenden bringen theoretisches Know-how und langjährige Praxiserfahrung mit. So garantieren wir, dass Gelerntes sofort angewendet werden kann.
Ein Beispiel ist unsere (neue) Weiterbildung STEEP – Steps Toward Effective, Enjoyable Parenting. Dort lernen Fachkräfte der Frühen Hilfen, die Eltern-Kind-Bindung gezielt zu stärken und ihre Beratungspraxis zu professionalisieren – begleitet von erfahrenen Expertinnen und Experten.
Was zeichnet die Weiterbildungen am IWW aus?
Für mich sind es drei Punkte:
Praxisausrichtung auf Gesundheits- und Sozialwesen: Wir vermitteln fundiertes Fachwissen und praxisrelevante Kompetenzen, die direkt im Berufsalltag nutzbar sind.
Wissenschaftliche Fundierung: Unsere Weiterbildungen bieten theoretische Perspektiven und verbinden diese mit konkreten beruflichen Situationen.
Kleine Gruppen: Persönliche Betreuung, intensiver Austausch und individuelle Unterstützung ermöglichen bei uns am IWW nachhaltige Lernerfolge.
Welche Herausforderungen sehen Sie für die Weiterbildung?
Es ist wichtig, dass wir kurze, modulare Formate genauso anbieten wie umfassende, berufsbegleitende Angebote. Gleichzeitig muss die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung weiter gestärkt werden, damit Lernende flexibel zwischen beiden Welten wechseln können.
Wie sieht die Zukunft des lebenslangen Lernens aus?
Ich sehe personalisierte Lernwege, die sich an den individuellen Lebenssituationen orientieren – mobil, flexibel und digital unterstützt, ohne den sozialen Austausch zu verlieren. Kleine Gruppen, persönliche Begegnungen und gemeinsames Lernen bleiben zentrale Erfolgsfaktoren.
Ihr abschließendes Fazit?
Weiterbildung befähigt, mit beruflichen und gesellschaftlichen Veränderungen gut umzugehen. Am IWW fördern wir persönliche Entwicklung, menschliche Begegnung und gesellschaftlichen Zusammenhalt – und tragen damit einen kleinen Teil für eine zukunftsfähige Gesellschaft bei.
Hier geht es zu den aktuellen Weiterbildungsangeboten des IWW.
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