Alumni­Spotlight

Alumnus Manuel Bächle: Soziale Arbeit zwischen Ideal und Realität

Manuel Bächle, Alumnus der KH Freiburg

"Das Studium hat meine Haltung geschärft"

Wenn man ihn heute fragt, was das größte Highlight seines Studiums an der Katholischen Hochschule Freiburg war, spricht er nicht zuerst von Modulen, Prüfungen oder Abschlüssen. Er spricht von Menschen. Von Begegnungen. Von Freundschaften, die geblieben sind.

„Wir waren uns ähnlich – im Denken, in den Haltungen, in dem, was uns wichtig war“, erinnert er sich. Aus diesen Gemeinsamkeiten entstanden Verbindungen, die bis heute tragen. Über zwanzig Jahre später kamen viele von ihnen wieder zusammen, um das Jubiläum ihrer Diplomierung zu feiern. Und plötzlich war sie wieder da, diese besondere Atmosphäre: vertraut, lebendig, fast wie früher. Ein Moment, der zeigt, was die KH Freiburg ausmacht – sie ist mehr als ein Ort des Lernens. Sie ist ein Ort des Werdens.

Lernen fürs Leben – und für die Praxis

Inhaltlich war das Studium vielfältig und anspruchsvoll. Seminare wie Kunst und Psychiatrie, Psychopathologie oder Rhetorik öffneten neue Perspektiven auf Menschen und Gesellschaft. Und dann gab es da noch das legendäre Korsika-Projekt der Erlebnispädagogik – ein echtes Highlight mit hohem Spaßfaktor, das vielen bis heute im Gedächtnis geblieben ist.

Doch was ihn rückblickend am nachhaltigsten geprägt hat, überrascht zunächst: Recht. Vorlesungen und Seminare, die trocken klingen mögen, erwiesen sich als unverzichtbares Rüstzeug für den Berufsalltag. „Letztes Jahr habe ich mit einem Kostenträger aus einem anderen Bundesland um eine Fallpauschale gestritten“, erzählt er schmunzelnd. Die Argumentationskette saß – und war erfolgreich. Ein stilles Kompliment an Professoren, die nicht nur Wissen vermittelten, sondern Denken lehrten.

Beruflicher Einstieg mit Realitätssinn

Der Start ins Berufsleben verlief alles andere als geradlinig. 2004 waren Stellen rar, Assessmentcenter der Normalfall – selbst für halbe Stellen. Dass er einen Job nicht bekam, erwies sich im Nachhinein als Glücksfall. Stattdessen führte ihn sein Weg nach Lörrach, in eine damals noch junge Einrichtung für Menschen mit Körperbehinderung. Viel Freiraum, viel Verantwortung – und die Chance, den Offenen Bereich selbst mitzugestalten.

Genau hier zeigte sich, was das Studium an der KH Freiburg vorbereitet: prozesshaftes Denken, eine Verbindung aus rechtlichem, soziologischem und verwaltungstechnischem Verständnis. Fähigkeiten, die bis heute täglich gefragt sind – sei es im Personalrecht, in Verhandlungen oder beim Verstehen komplexer Zusammenhänge.

Soziale Arbeit zwischen Ideal und Wirklichkeit

Mit Blick auf die Zukunft seines Fachbereichs wird der Ton ernster. Kommunen sind finanziell unter Druck, soziale Leistungen geraten schnell unter Rechtfertigungszwang. „Wir können nur das ausgeben, was andere erwirtschaften“, sagt er nüchtern. Und doch macht er klar: Soziale Arbeit ist kein Luxus, sondern gesetzlich verankert und gesellschaftlich unverzichtbar.

Sie ermöglicht Teilhabe, stärkt den Zusammenhalt – und wirkt damit auch präventiv gegen populistische Versuchungen. Gerade deshalb braucht es Fachkräfte, die wirtschaftlich denken können, ohne ihre Haltung zu verlieren. Eine Balance, die an der KH Freiburg von Anfang an eingeübt wird.

Haltung statt Selbstfindung

Was geblieben ist aus dem Studium? Vor allem Werte. Der Grundsatz „Hilf mir, es selbst zu tun“ – bekannt von Maria Montessori – ist für ihn bis heute leitend. Hilfe zur Selbsthilfe, Fördern und Fordern. Ein klarer Blick auf den Sozialstaat: große Errungenschaft, aber keine Hängematte.

Das Studium an der KH Freiburg hat ihn nicht grundlegend verändert, sagt er. Aber es hat seine Haltung geschärft und gefestigt. Reflexion hatte hier ihren festen Platz – nicht als Therapieersatz, sondern als professionelles Werkzeug. Denn in der Sozialen Arbeit ist man selbst Teil des Instruments. Und dieses Instrument sollte gepflegt werden.

Mehr als Vorlesungen

Wenn er eines heutigen Studierenden mit auf den Weg geben möchte, dann dies: Das Studium besteht nicht nur aus Lernen. Das Drumherum ist genauso prägend. Partys, Engagement, gemeinsames Organisieren – all das gehört dazu. „Belebt die KH wieder“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Corona habe vieles ausgebremst, jetzt sei es Zeit, neue Energie hineinzubringen.

Seine liebsten Erinnerungen? Die selbst organisierten Feten in der Aula. Die Korsika-Exkursion. Und ein WG-Spruch, der bis heute nachhallt:
„Du fragst mich, was du tun sollst? Lebe wild und gefährlich, Artur.“

Vielleicht ist genau das die Essenz der KH Freiburg: Mutig denken, verantwortungsvoll handeln – und dabei nie vergessen, dass Soziale Arbeit immer mit Menschen beginnt. Und manchmal auch mit einer guten Party.

Alumni Spotlight

Name: Manuel Bächle
Studiengang: Soziale Arbeit Diplom (2004) und Heilpädagogik Master (2014)
Derzeitige Position: Prokurist bei der Lebenshilfe Breisgau gGmbH und Lehrbeauftragter an der KH Freiburg für B.A. Heilpädagogik

Wenn Sie Alumni der KH Freiburg sind, freuen wir uns, wenn Sie mit uns in Kontakt treten. Schreiben Sie uns - alumni@kh-freiburg.de

 

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