Veranstaltung

Klassismus sichtbar machen

Eine Ausstellung über Klassismus und den eigenen Blick auf soziale Unterschiede.

Rund 60 Besucher*innen kamen am 19. Januar in der Aula 1000 der Katholischen Hochschule Freiburg zusammen, um die Ausstellung „Klassismus sichtbar machen“ der Soziologin Magdalena Bausch zu eröffnen. Schon beim Ankommen war spürbar: Es geht um ein Thema, das berührt – und herausfordert.

Den Auftakt gestaltete Magdalena Bausch, Soziologin und Dozentin für Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Klassismus. In ihrem Eingangsvortrag führte sie in die Idee hinter der Ausstellung ein. Die Fotoreihe ist angelehnt an Pierre Bourdieus berühmte Studie „Die feinen Unterschiede“ aus den 1970er-Jahren – und stellt eine einfache, zugleich unbequeme Frage: Was sehen wir, wenn wir auf das Leben anderer blicken?

Zwischen Wohnzimmersofa und Vorurteil: Wie Bilder Klassen sichtbar machen

Die Fotografien folgen einem klaren Aufbau. Zuerst die Außenansicht eines Wohnhauses, dann der Blick ins Wohnzimmer, schließlich die Bewohnenden selbst. Ein Hochhaus oder Einfamilienhaus, ein großes Sofa, ein Flatscreen, ein Teppich, eine Körperhaltung, ein Paar Schuhe – scheinbar nebensächliche Details entfalten Wirkung. Fast unmerklich entstehen Assoziationen, Vermutungen, Bewertungen. Genau hier setzt die Ausstellung an: Sie macht sichtbar, wie schnell Menschen eingeordnet werden – und wie schwer es ist, sich diesen Zuschreibungen zu entziehen.

Im Anschluss an den Vortrag wurde die Ausstellung bei einem Empfang eröffnet. Gläser klirrten, kleine Gruppen bildeten sich vor den Bildern. Immer wieder wechselten die Blicke zwischen Fotografie, Text und den eigenen Gedanken. Die Gespräche waren angeregt, offen, manchmal auch irritiert – ein Zeichen dafür, dass die Ausstellung wirkt.

Ziel des Projekts ist es, das eigene Schubladendenken bewusst zu machen und Klassismus als Diskriminierung aufgrund sozialer Herkunft in den gesellschaftlichen Fokus zu rücken. Wer hinschaut, merkt schnell: Es geht nicht um „die anderen“, sondern um den eigenen Blick. Um Wahrnehmungen, die gelernt sind – und verlernbar sein können.

Gerade für Studierende der Sozialen Arbeit sei diese Auseinandersetzung zentral, betont Prof. Dr. Alexander Lenger, Professor für Soziologie an der Katholischen Hochschule Freiburg:
„Für Kurse wie Sozialisation, Lebenslagen oder soziale Ungleichheitsstrukturen bietet die Ausstellung wichtige Anknüpfungspunkte, um strukturelle Diskriminierung zu verstehen und professionelles Handeln kritisch zu reflektieren.“

So wurde die Ausstellungseröffnung zu einer Einladung: fremde Leben zu betrachten, eigene Vorurteile zu reflektieren und miteinander über Klassen zu sprechen – offen, kritisch und im Dialog.

Noch bis Ende Januar: Ausstellung am Campus I

Die Ausstellung ist noch bis Ende Januar am Campus I, Haus 3 der Katholischen Hochschule Freiburg zu besichtigen.

Zur News-Übersicht