Forschungsreise des Studiengangs Berufspädagogik im Gesundheitswesen


22.06.2022 | Internationales

Forschendes Reisen – Student*innen in Georgien

Die Reise fand im Rahmen eines Ost Partnerschaftsprogramms des Deutschen Akademischen Auslandsdienstes (DAAD) im Studiengang Berufspädagogik im Gesundheitswesen für Student*innen des 3. und 4. Semesters statt. Das Oberthema war (Care) Migration und wie junge Menschen in Georgien die Arbeitsmigration eines Elternteils wahrnehmen. Betreut und begleitet haben die Forschung Prof.in Dr.Frau Luzar und Prof.in Dr. Mirella Cacace, zwei Professorinnen der Katholischen Hochschule. Da leider aufgrund der Pandemie die Reise nicht im März durchgeführt werden konnte, wurden zunächst die Interviews virtuell erhoben und konnten in den Pfingstferien die ersten Ergebnisse an der Ivane Javakhishvili Tbilisi State University (TSU) und der katholischen Sulkhan-Saba Orbeliani Universität (SABA ) in Tiflis vorstellen. Sieben Tage hatten die Studierenden ein abwechslungsreiches Programm und danach gab es die Möglichkeit noch einige Tage das Land zu erkunden.   

 

Was war das Ziel der Reise?

Ursprünglich wollten wir Interviews für unser Forschungsprojekt durchführen, aber wegen den hohen Inzidenzzahlen in Georgien wurde zunächst unser Aufenthalt verschoben. So entschieden wir uns die Interviews virtuell zu erheben, fragten Studierende unserer Partneruniversitäten nach Kontakten und Personen, die interviewt werden können und starteten unsere Erhebungen von Deutschland aus. So hat sich der Termin und das Ziel der Reise verschoben, doch konnten wir in der Pfingstwoche  schon unseren Forschungsstand an beiden Partneruniversitäten vorstellen und validieren lassen. Auch hatten wir die Möglichkeit unsere studentischen Austauschpartner persönlich kennenzulernen. Somit war ein weiteres Ziel der Reise der Austausch und das sinnliche Erleben unseres Forschungsthemas. Ein Buch zu lesen über das Forschungsthema und sich Wissen anzueignen, damit sind wir vertraut, aber dort hinzufahren, und die Menschen persönlich kennenzulernen, das geht unter die Haut. Diese Erfahrung bleibt.

Als Studiengruppe haben wir uns auch näher kennengelernt. In der Coronazeit hatten wir kaum die Möglichkeit Flurgespräche zu haben. In Tiflis konnten wir direkt mit den Mitstudierenden über unsere Beobachtungen und Eindrücke diskutieren. So ging es auch um die Mikroereignisse, die uns irritierten und die wir in der Gruppe ausgewertet haben. Wir haben uns in der Vorbereitung mit der sozialen und politischen Situation in Georgien beschäftigt, der Armut und dem niedrigen Bruttoinlandsprodukt, doch auf den ersten Blick wirkte für uns Tiflis modern und kosmopolitisch, sauber und digital. In jedem Supermarkt konnte man ein Kaugummi mit der Kreditkarte bezahlen. Erst nach Besuchen bei Caritas Georgien oder nach einiger Zeit, konnten wir sehen, dass dieser Blick und diese Möglichkeiten nur für einige Menschen zugänglich waren.    

 

Was stand auf dem Programm?

Im Zentrum stand der Austausch mit der Fakultät für Soziale Arbeit der Ivane Javakhishvili Tbilisi State University und der katholischen Sulkhan-Saba Orbeliani Universität und das Kennenlernen der Studierenden und Professorinnen bzw. Professoren, sowie die Vorstellung unserer Forschungsergebnisse. Auf unsere Präsentation bekamen wir auch direkt ein Feedback, welches wir in unseren Forschungsbericht einarbeiten werden.

Weiterhin haben wir auch verschiedene Projekte von Caritas Georgien besucht wie das Jugendzentrum mit den Werkstätten, wo Kinder und Jugendliche aus schwierigen Lebensumständen, die teilweise auf der Straße leben, einen geschützten Ort finden, an dem sie sich ausruhen, aber auch bilden und handwerklich tätig sein können.

Wir hatten auch die Möglichkeit die Pflege, die von Caritas organisiert wird, kennenzulernen. Die Zielgruppe der Caritas sind die sozial schwächeren Menschen, die nicht oder nur wenig vom Staat versorgt werden.  Unsere Reisegruppe teilte sich auf, einige lernten die ambulante Pflege kennen und durften Chirurgen oder Sozialarbeiter bei den Hausbesuchen begleiten, sahen wie Katheter gewechselt wurden oder ein neuer Wundverband angelegt wurde. Andere Studierende begleiteten einen Psychologen bei der Kurzzeitpflege, die als Pilotprojekt erst angelaufen ist. Wir hatten die Möglichkeit mit allen zu pflegende Personen und Bewohnerschaft der Institutionen zu sprechen und Fragen zu stellen.

      

In welcher Sprache haben Sie sich unterhalten?

Wir haben uns auf Englisch unterhalten und ein paar Wörter wie Hallo und Danke haben wir auf Georgisch gelernt. Es war sehr leicht mit englisch zu kommunizieren. Man braucht auch keine Panik zu haben, ob das englisch gut ist oder nicht, sondern es geht darum verstanden zu werden ohne Grammatikprüfung. Der Austausch steht im Vordergrund. 

 

Was hat Sie überrascht?

Überrascht hat mich, dass wir als Fremde in ihren privaten Wohnungen herzlich willkommen waren. Die Pflege ist ein intimes Setting, wenn eine Person einen Verbandwechsel durchführt oder einen Katheter wechselt, kommt in Deutschland schnell das Thema Scham auf. Doch in Georgien war es für die Menschen absolut in Ordnung und sie freuten sich eher über Besuche. Auch in der Kurzzeitpflege waren einige Bewohner*innen interessiert, wollten Kontakt und Gespräche, gar den Händedruck. Eine Situation, die nach Corona erst wieder gelernt werden muss.     

  

Was können Sie von der Georgienreise mitnehmen?

Ich habe auf jeden Fall gelernt, dass Begegnungen helfen um Stereotype aus dem Kopf zu bekommen. Zu Beginn des Forschungsprojekts hatten von den sechs Studierende, die nach Georgien gefahren sind, keiner ein Bild von diesem Land. Das entstand erst durch die Arbeit an unserem Forschungsprojekt, langsam näherten wir uns erst durch Literatur unserem Reiseziel. Doch dadurch sind wir eher unsicherer geworden, denn wir hatten viele negative Informationen gelesen, über die schlechte ökonomische Lage oder den Kaukasuskrieg 2008, bei dem Russland die Republik Georgien überfiel. Migration schien für viele Menschen die einzige Lösung zu sein.

Als wir in Georgien waren, sah die Realität anders aus. Die Menschen haben uns mit Freundlichkeit und Herzlichkeit empfangen. Trotz prekärer ökonomischer Lage haben wir eine Gastfreundlichkeit und Willkommenskultur erfahren, von der wir in Deutschland noch lernen können. Ob das in der Ambulanten Pflege im Arbeitskontext oder auf dem Wochenmarkt war, hatte ich nicht das Gefühl ein Fremder zu sein. Das Interesse von Seiten der georgischen Studenten*innen  war groß, sei es in politischen Diskussionen über die Europäische Union (EU) oder wie die Studienbedingungen in Deutschland sind. Im Austausch mit den Studierenden der TSU haben wir aber auch gemerkt, dass, trotz vieler sozioökonomischer und geographischer Unterschiede wir Menschen mit ähnlichen Wünschen Ambitionen, aber auch Problemen sind und ein paar Ziele und Träume auch identisch waren.  

 

Wie geht es weiter mit dem Austausch?

Für unsere Studiengruppe ist der erste Teil der Reise beendet. Es steht noch der Gegenbesuch der georgischen Student*innen im Juli auf dem Programm und die finale Vorstellung unseres Forschungsberichts an der KH Freiburg.  Wir freuen uns darauf, den Austausch und den Kontakt, der mit den georgischen Studentierenden vor zwei Semestern begann, weiter zu vertiefen und sie in Freiburg willkommen zu heißen.

Das DAAD Austauschprojekt Georgien wird dann von anderen Studierenden der KH im nächsten Semester fortgeführt.

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