Studienpreis des St. Josefshaus Herten

St. Josefshaus Herten                    
Laudatio: 
Frau Birgit Ackermann                    
                    
Preisträger*in:Johanna Wolfstieg                    
Preis in Höhe von 300 EUR                                    
                    
Titel der Arbeit:                    
Behinderung, Geschlecht und Sexualität                    
Heteronormativität in sexualpädagogischen Materialien                     
für Menschen mit Lernschwierigkeiten                    
                    
Gutachter*in: Prof. Dr. Florian Kiuppis, Prof.in Dr. Ursula Immenschuh    

Das St. Josefshaus ist ein Zusammenschluss mehrerer zumeist gemeinnütziger Sozialunternehmen, deren Muttergesellschaft ihren Ursprung und Hauptsitz in Rheinfelden-Herten hat, und die an insgesamt 12 Standorten in Südbaden tätig ist. Seit der Gründung 1879 hat sich das St. Josefshaus stetig weiterentwickelt und ist heute einer der erfahrensten Träger sozialer Dienstleistungen für Menschen mit Behinderung und Menschen im Alter.

Unsere Arbeit ist geprägt durch die Tradition unserer christlichen Wurzeln und die Umsetzung innovativer Lösungen für die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen. Personenzentrierung und Sozialraumorientierung bilden die Grundlage unseres Angebotes. Wir erbringen sie subsidiär und nachhaltig. Als Dienstgemeinschaft arbeiten über 1600 Mitarbeitende und mehr als 200 Ehrenamtliche im St. Josefshaus. Mit Respekt und Vertrauen schaffen wir miteinander eine engagierte und wertschätzende Arbeitskultur.

Jedes Jahr vergeben wir einen Studienpreis unter den Absolventen der Kirchlichen Hochschule Freiburg und in diesem Jahr sogar zwei, weil sie einen so wichtigen und aktuellen Praxisbezug haben.

In Zeiten, in denen caritative Träger im Rahmen von kirchlichen Verordnungen bezogen auf den Anvertrautenschutz eine besondere Verantwortung tragen, ist es wichtig sehr reflektiert mit dem Verständnis von Sexualität umzugehen. Oft werden Hilfsmittel zur Hand genommen, um sich einer scheinbar objektiven und fachlichen Bildung und Haltung anzuschließen. Aber auch das darf nicht unreflektiert geschehen.

Johanna Wolfstieg rüttelt schon mit dem Titel ihrer Bachelorarbeit, „Behinderung, Geschlecht und Sexualität – Heteronormativität in sexualpädagogischen Materialien für Menschen mit Lernschwierigkeiten“, auf. Nicht nur der Dreiklang von Behinderung, Geschlecht und Sexualität bietet ein komplexes Forschungsfeld, das sie mit fokussierter Sachlichkeit angeht, sondern ihre kritische Betrachtung der Heteronormativität in den sexualpädagogischen Materialen überführt den Praktiker selbst hier und da in seiner einfachen, zu einfachen Denkweise. Deutlich wird durch die Arbeit auch wie diskriminierend solche Denk- und Handlungsmuster sein können. Wir haben nachzudenken, zu verbessern und zu ergänzen.

Das St. Josefshaus Herten vergibt diesen Studienpreis, um Frau Wolfstieg die Möglichkeit zu geben Ihre Erkenntnisse an die zuständigen Stellen, an Vertreter von Menschen mit Behinderungen und Organisationen, die mit den Materialien arbeiten, weiterzugeben. Inklusion kann nicht gelingen, wenn Bildung schon für Diskriminierung sorgt.

Vielen Dank für diesen wichtigen Beitrag.


Wir befinden uns mitten in der Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes und die Anfragen an die Heilpädagogik schlagen in der Praxis auf. Wir beobachten viele Erkenntnisse dieser Arbeit in der Praxis. Da kommt der Anstoß von Ben Bubeck zur Positionierung der Heilpädagogik gerade recht, hoch systematisiert und mit zentralen Impulsen im Fokus. Grundlegend konnte Herr Bubeck in seiner Bachelorarbeit mit dem Titel „Adieu Heilpädagogik? Theoretische Überlegungen zur Funktionalität einer Profession – Eine systemtheoretische Anfrage“ herausarbeiten, dass oft eine explizierte Abgrenzung zu traditionellen Ausrichtung der Heilpädagogik vorgenommen wurde und moderne Paradigmen als kompatibel erachtet wurden. Aber im Umkehrschluss bzw. weiteren Verlauf die Konzentration auf Behinderung erfolgte, was wiederum Konflikte und Widersprüche aufzeichnet.

Wir hoffen, die Praxis und auch die Forschung und Lehre lassen sich von dieser Arbeit wachrütteln.

Mit dem Studienpreis will das St. Josefshaus dieser Arbeit von Ben Bubeck in besonderer Weise Aufmerksamkeit zukommen lassen. Sie soll nicht im System verschwinden, sondern als Aufforderung dienen. Diese Bachelorthesis sollte aller Orten diskutiert werden und die Ergebnisse gesichert. Das St. Josefshaus Herten bietet dafür Raum, Zeit und Gelegenheit und unterstützt schon im Eigeninteresse die Mission für eine Profilierung der Heilpädagogik.

Vielen Dank für diesen aktuellen Beitrag.

Birgit Ackermann
Vorstand

Laudatio Birgit Ackermann St. Josefshaus Herten

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