Studienpreis 2021 "Prädikat Forschungsstark"
der Katholischen Hochschule Freiburg 

Katholische Hochschule Freiburg
Laudatio:
Prof.in Dr. Ines Himmelsbach                    
                    
Preisträgerin: Kristin Mayrhofer                    
Preis in Höhe von 500 EUR                    
                    
Titel der Arbeit:                    
"Depression" in Zeiten der Corona-Pandemie:
Eine qualitative Inhaltsanalyse von Forenbeiträgen im Diskussionsforum Depression der Deutschen Depressionshilfe zum Thema "Umgang mit der Krankheit"              
                    
Gutachter: Prof. Dr. Florian Kiuppis, Prof. Dr. Alexander Lenger                  

Laudatio von Prof.in Dr. Ines Himmelsbach
 

Prädikat Forschungsstark

„Depression“ in Zeiten der Corona-Pandemie:

Eine qualitative Inhaltsanalyse von Forenbeiträgen im Diskussionsforum Depression der Deutschen Depressionshilfe zum Thema „Umgang mit der Krankheit“ von Betroffenen

Ich freue mich sehr den diesjährigen Förderpreis der Katholischen Hochschule Freiburg - "Prädikat Forschungsstark" verleihen zu dürfen:

Der Preis würdigt Abschlussarbeiten, die in besonderem Maße durch ihren wissenschaftlichen Anspruch und ihre Forschungsleistung hervorstechen. Ich würde mir wünschen, dass diese Auszeichnung dazu ermutigen mag, auch den nächsten Schritt in einer wissenschaftlichen Karriere zu wagen und somit weitere Qualifikationsschritte zu gehen. Damit soll der Preis zur Nachwuchsförderung unserer Hochschule und aus unserer Hochschule heraus beitragen.

Der Preis Prädikat Forschungsstark wird in diesem Jahr an Frau Kristin Mayrhofer  verliehen, die in Ihrer Bachelorarbeit (im Studiengang Heilpädagogik) das Thema Depression - in Zeiten der Corona Pandemie aufgreift, indem Sie Forenbeiträge von Betroffenen im Diskussionsforum Depression der Deutschen Depressionshilfe analysiert hat. Ich möchte betonen, dass in diesem Jahr zum ersten Mal eine Bachelorarbeit ausgezeichnet wird. Dies erachte ich als ganz besondere Leistung von Frau Mayrhofer. Bereits mit der ersten wissenschaftlichen Qualifikationsarbeit einen Forschungspreis zu erreichen, ist beachtlich.
Die Arbeit wurde betreut von den Kollegen Florian Kiuppis und Alexander Lenger.
Ich freue mich nun, Ihnen die Arbeit von Frau Mayrhofer ein wenig vorstellen zu dürfen:

Die Arbeit verfolgt das Ziel, den Umgang mit „Depression“ in Zeiten der Corona-Pandemie genauer zu beschreiben. Dafür wurde ein empirischer Zugang auf Basis eines Online-Selbsthilfeforums gewählt. Entlang dreier Leitfragen zu erlebten Auswirkungen der Corona-Pandemie, Umgangsweisen mit der Krankheit und fördernden und hemmenden Einflussfaktoren auf den Umgang, wurde die Beantwortung der Forschungsfrage angestrebt. Dafür wurde das Diskussionsforum Depression der Deutschen Depressionshilfe genutzt und in Forenbeiträgen analysiert, wie die Nutzer*innen subjektiv ihren Umgang mit depressiven Symptomen in Zeiten der Pandemie erleben.

Zur Auswertung der Forenbeiträge im Thread Umgang mit der Krankheit wurde die  Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring angewendet. Frau Mayrhofer konnte hier insbesondere die Ambivalenz des Erlebens aufzeigen, von Menschen, die sich während der Pandemie mit depressiven Verstimmungen an das Forum wenden: Exemplarisch zwei Ankerbeispiele aus ihrem Datenmaterial:

„Ich weiss auch nicht, ob ich jetzt eine Depression habe oder nur den ganz normalen kollektiven Corona - Frust. Ich kann das ja auch nicht in Internet - Fragebögen testen, denn bei so Fragen, ob ich mich sozial zurückziehe und dann ja ankreuze, geht man ja bei dem Test davon aus, dass normale Zeiten sind..“423

 Oder eine anderes Beispiel:

„In der Corona Krise auf dem Höhepunkt, mit all den Einschränkungen, habe ich mich als "normal" gefühlt, weil alle zu Hause bleiben mussten und es normal war, dass man nirgendwo hin darf. Also so wie ich es am liebsten mag.“281

In ihren Empfehlungen regt Frau Mayrhofer an, Professionelle für die Ambivalenz des Umgangs mit der Krankheit zu sensibilisieren und Betroffene bei der Suche sowie Umsetzung äquivalenter Umgangsweisen zu unterstützen.

Zum Abschluss meiner Würdigung noch drei Punkte zur Qualität der Arbei

  • Frau Mayrhofers Arbeit besticht durch die reichhaltige und tiefgehende Beschäftigung mit dem Forschungshintergrund und der Aufarbeitung relevanter Leitlinien im Bereich des Umgangs mit Depressionen sowie dem Aufgreifen aktuellster Studien, die im Rahmen der Pandemie zu Depressionszusammenhängen durchgeführt wurden.
  • Dem Forschungsgegenstand, dem Erleben von Depression in Zeiten der Pandemie, nähert sie sich durch einen innovativen Feldzugang: der Analyse von Forumsbeiträgen. Diese analysiert sie ganz vom Subjekt ausgehend mit induktiver Kategorienbildung. Sie nutzt die Chance der Enträumlichung und Entzeitlichung von Forumsbeiträgen sowie deren Möglichkeit zur Enthemmung, Enthierarchisierung, und deren Niedrigschwelligkeit und legt den Fokus auf den peer-to-peer Ansatz des Umgangs mit Depressionen. Legitimiert wird dieses Vorgehen sehr elaboriert, herausgehoben sei ein Zitat mit dem sie Ihre Analyse einleitet: So formuliert Dörner (2018): „Die psychisch erkrankten Personen sind doch die einzigen, die wissen, was es bedeutet, psychisch krank zu sein.“ (Dörner 2018: 34). Das Diskussionsforum wird hier somit als ein fachlich moderiertes Selbsthilfeprojekt beobachtet und analysiert.
  • Und noch ein letztes Wort zur Methode: Häufig erhalten wir als Dozierende Abschlussarbeiten, die mit der Qualitativen Inhaltsanalyse gearbeitet sind, Frau Mayrhofers Arbeit kann als exzellentes Beispiel dienen, wie weit man mit der Induktion auch mit dieser Methode kommen kann. Sie beweist ein großes Geschick und vor allem Sorgfalt in der Relationierung von Kategorien, welches Sie an einem großen Materialschatz von über 971 Beiträgen entfaltet. Kurzum: Die methodische Güte ist, insbesondere für die erste Qualifikationsarbeit als exzellent zu bezeichnen.

Herzlichen Glückwunsch!!! Ich darf Ihnen hiermit den Förderpreis der Katholischen Hochschule - Prädikat Forschungsstark überreichen.

Prof. Dr. Ines Himmelsbach
Prorektorin Forschung, Institutsleitung IAF
Studiengangsleitung Verbundmaster Angewandte Gerontologie

Copyright Prof.in Dr. Ines Himmelsbach, Katholische Hochschule Freiburg
Prorektorin Forschung, Institutsleitung IAF, Studiengangsleitung Verbundmaster Angewandte Gerontologie, Professorin
Prof.in Dr. phil. Ines Himmelsbach

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