Studienpreis 2021
der Diözese rottenburg-Stuttgart

Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart                
Laudatio:
 Herr Uwe Scharfenecker       
                
Preisträgerin: Saskia Laschitsch-Greiner                
Preis in Höhe von 500 EUR                
                
Titel der Arbeit:     
           
Wenn Glaube unter die Haut geht.
Tätowierungen als Ausdruck eines religiösen Bekenntnisses.             
                
Gutachter: Prof. Dr. Bernd Hillebrand, Prof. Dr. Michael Quisinsky   

Laudatio von Uwe Scharfenecker

Verleihung des Preises der Diözese Rottenburg-Stuttgart an Frau Saskia Laschitsch-Greiner,
Freiburg, 13.10.2021

Unter dem Titel “Wenn Glaube unter die Haut geht” wendet sich Frau SaskiaLaschitsch-Greiner einer Entwicklung zu, die gerade im Sommer allerorten offensichtlich wird, dem Tattoo, näherhin der Frage, inwieweit Tätowierungen Ausdruck eines religiösen Bekenntnisses sein können. Es ist im wahrsten Sinne unübersehbar: Das Phänomen Tattoo prägt unsere Gegenwart in allen Ländern und durch alle Schichten hindurch; es ist von einer Subkultur zu einem Mainstream geworden. Die Zahl der Menschen mit Tätowierungen nimmt zu - auch bei pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Jede/r Fünfte in Deutschland trägt inzwischen ein Tattoo. Lassen sich Tätowierungen als religiöses Bekenntnis deuten? Kann man via Tattoo Brücken bauen? Wie immer verbieten sich einfache Antworten ; den ein religiöses Motiv unter der Haut muss nicht für einen religiösen Hintergrund stehen und nichtreligiöse Motive können durchaus einen religiösen Hintergrund besitzen. Gründe und Motive sind meist persönlich und geheimnisvoll, wodurch man von außen betrachtet, über Vermutungen und Deutungen nicht hinaus kommt. Erst in der offenen Begegnung lassen sich tiefere Bedeutungen verstehen. Dann aber können Tattoos in Theologie und Pastoral eine Chance sein, die Bedürfnisse der Menschen zu erkennen und sie als „Türöffner" für Gespräche und Begegnungen zu nutzen. Theologische Begriffe wie Stigma/Stigmata oder Prägemal lassen eine innere Verwandtschaft erahnen, und es ist kein Zufall, dass der Kirchenvater Didymus der Blinde die Salbung mit Chrisam mit einem Brandzeichen vergleicht. Im Bereich des Glaubens offenbaren Tattoos eine Wirklichkeit, die wahrzunehmen für die Kirche zentral ist: Es gibt eben nicht nur eine Art des Glaubens und eine Art zu glauben. Der Glaube stellt ein Risiko dar, ein sich Einlassen auf eine Wirklichkeit, die der eigenen Verfügung entzogen ist. Umso mehr haben religiöse Tattoos den Charakter eines öffentlichen Bekenntnisses, und dies in ganz anderer Intensität als der Rosenkranz am Rückspiegel, der auch nicht zu verachten ist. Frau Laschitsch-Greiner verweist auf das wunderbare Bild des menschlichen Körpers als Kathedrale, die zu Ehren Gottes und zu Ehren Jesu gestaltet und geschmückt wird. Der Vielfalt der Kathedral-Baustile von der Romanik bis hin zu Gaudy und Botta und hoffentlich auch darüber hinaus korrespondieren die vielfältigen religiösen Bekenntnisse, die ein
Tattoo zulässt. All dies und noch viel mehr hat Frau Laschitsch-Greiner in ihrer BA-Arbeit überzeugend dargestellt und so gezeigt, dass Gott keine No-Go-Areas kennt und sich überall finden lässt und wir uns auf vielfältigste Art zu ihm bekennen können. Wie sich die Leute in puncto Tattoo auch entscheiden, heute haben wir sicher die richtige Wahl getroffen und verleihen Frau Laschitsch-Greiner für ihren wegweisenden Beitrag zur Glaubenskommunikation in unserer säkularen und spätmodernen Gesellschaft den Studienpreis der Diözese Rottenburg-Stuttgart 2021.
Herzlichen Glückwunsch!

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