Positive Peer Culture - PPC
Blick über den Atlantik
Im Rahmen einer Studienreise lernte der emeritierte Psychologie-Professor Gerhard Veith von der Katholischen Hochschule Freiburg im STARR Commonwealth (» Philosophie des Starr Commonwealth), einer der renommiertesten Einrichtungen für erzieherische Hilfen für verhaltensauffällige und seelisch behinderte junge Menschen in Albion, Michigan, USA, das » Konzept der Positive Peer Culture (PPC) kennen.
Hinter diesem innovativen sozialpädagogischen Ansatz der amerikanischen Erziehungshilfen steckt die Idee, dass mit einem positiven therapeutischen Umfeld ("heilendes Milieu") die Dynamik einer Gleichaltrigengruppe genutzt werden kann und so Kinder und Jugendliche konstruktiv ihre Probleme angehen.
Der sozialpädagogische Ansatz des Positive Peer Culture (PPC) basiert auf deutschen Wurzeln, etwa den Ideen des Sozialpsychologen Kurt Lewin, der in Freiburg sein Studium begonnen hat und seinem bekanntesten Schüler, Urie Bronfenbrenner. Im Starr Commonwealth hat sich der Ansatz des PPC zu einem Konzept der Arbeit mit schwierigen Jugendlichen entwickelt. PPC will Jugendlichen die Verantwortung für sich selbst und ihr Leben (zurück-) geben und sie aufmerksam machen, dass sie auch unter schwierigen Lebensbedingungen die (Selbst-) Verantwortung nicht aus der Hand geben können. PPC kann als eine Kultur verstanden werden, wie Menschen respektvoll miteinander umgehen. Dies bedeutet mit einer positiven Grundhaltung Jugendlichen gegenüber zu treten, ihnen zu zeigen, dass sie etwas können und immer anderen auch selbst helfen können. Der Ansatz will Jugendlichen eine Anerkennung durch Engagement ermöglichen, davon ausgehend, dass jeder Mensch konstruktive Strukturen aufweist, und die Frage nur darin besteht, ob und wie er diese zeigen kann.
Larry Brendtro (ehemaliger Präsident des Starr Commonwealth): "Die PPC-Angebote sind für viele Jugendliche die letzte Chance vor dem Jugendstrafvollzug, ihr Leben in den Griff zu bekommen". Seiner Ansicht nach sind diese Jugendlichen meist nur oberflächlich aggressiv und gewalttätig. Für ihn liegt des Erfolgsgeheimniss von PPC darin, "to tap the power of young people", also die Kraft, Energie der Jugendlichen für positive Zwecke zu nutzen, umzulenken.
Projekt ist fester Bestandteil des Studiums der Sozialen Arbeit
Das Projekt "Anerkennung durch Engagement" ist seit ca. 4 Jahren fest in das Curriculum des Studiengangs Soziale Arbeit (B.A.) an der KH Freiburg eingebunden. Es erstreckt sich über das 5. und 6. Semester. Durch die Teilnahme am Projekt haben die Studierenden die Chance, Theorie und Praxis zu verbinden und einen berufsorientierten Arbeitsansatz kennen zulernen und mitzugestalten. Zur Mitarbeit im Projekt gehören die theoretische Auseinandersetzung mit PPC, sowie die Vorbereitung, Durchführung, Dokumentation und Evaluation eines Projektes unter Anleitung.
Im Projekt kooperieren der Studiengang Soziale Arbeit der KH Freiburg, Einrichtungen der Erzieherischen Hilfen, Schulen und Institutionen der offenen Jugendhilfe. Zwei wegweisende amerikanische Pädagogikkonzepte standen dabei Pate: Positive Peer Culture - die Nutzung des positiven Einflusses, den auch schwierige Jugendliche aufeinander haben können - und Service Learning - Lernen durch gemeinnütziges Tun. Das 2005 gestartete Projekt soll verhaltensauffälligen Jugendlichen dabei helfen, Ressourcen freizusetzen, mit denen sie ihre Lebenswege selbstbestimmt gestalten können.
Black Forest Wochen der KH Freiburg

- Larry Brendtro (10/2009 an der KH Freiburg)
An der KH Freiburg finden seit einigen Jahren regelmäßig die so genannten Black Forest Wochen zu PPC mit Larry Brendtro (USA), dem ehemaligen Präsidenten des Starr Commonwealth, statt. Organisiert werden die Fachtagungen von Prof. Gerhard Veith und Prof. Dr. Jürgen E. Schwab.
In Kooperation mit dem Caritasverband der Diözese Freiburg und zwei stationären Jugendhilfe-Einrichtungen, Mariahof in Hüfingen und den Rummelsberger Anstalten bei Nürnberg, werden dazu Einführungs- und Fortbildungsveranstaltungen für Sozialpädagogen, Lehrer und Studierende der Sozialen Arbeit angeboten. Die Black Forest Wochen mit Larry Brendtro sind in dieser Form einzigartig im Süden Deutschlands und ziehen daher TeilnehmerInnen auch aus den europäischen Nachbarländern an.
Seit 2006 findet dieser Ansatz des PPC zunehmend mehr Interesse in der deutschen Jugendhilfe und darüber hinaus. Die Black Forest Wochen bieten daher auch den jeweiligen Jugendhilfeeinrichtungen die Gelegenheit, in der KH Freiburg zu einem Erfahrungsaustausch zusammen zu kommen und das PPC Netzwerk weiter zu knüpfen.
Kontakt
Prof. Dr. Jürgen E. Schwab
Theorie und Praxis der Sozialpädagogik/Sozialarbeit - Schwerpunkt Jugend
Telefon +49 761 200-1521
zebuspeks@dla@yum.kh-freiburg.de


